Immer noch Geld zurück für Hunderttausende Immobilienkredite Verbraucherzentrale informiert

Immer noch Geld zurück für Hunderttausende Immobilienkredite

 

Bundesgerichtshof veröffentlicht Begründung zu fehlerhaften Widerrufsbelehrungen

Nach einer heute veröffentlichten Begründung zu einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs können auch viele neuere Immobilienfinanzierungen aus den Jahren 2010 bis 2013 noch widerrufen werden, weil die Widerrufsbelehrungen der Kreditverträge falsch formuliert sind. Verbraucher sollten überprüfen lassen, ob ein Vertrag aufgrund dessen rückabgewickelt werden kann, rät die Verbraucherzentrale Hamburg (Urteil des Bundesgerichtshofs vom 22. November 2016, Az. XI ZR 434/15).

 

"In den fehlerhaften Widerrufsbelehrungen der betroffenen Immobiliendarlehen, die vom 11. Juni 2010 bis ins Jahr 2013 hinein geschlossen wurden, führen Kreditgeber als sogenannte Pflichtangabe die "Aufsichtsbehörde" auf, erwähnen diese aber im Vertrag nicht", erläutert Alexander Krolzik von der Verbraucherzentrale Hamburg. Damit hätten Kreditinstitute wie die Hamburger Sparkasse die selbst zusätzlich geschaffene Voraussetzung für den Beginn der Widerrufsfrist nicht erfüllt. Allein der Verbraucherzentrale Hamburg liegen viele hundert Fälle vor, in denen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) als zuständige Aufsichtsbehörde nicht benannt wird, dies aber als Voraussetzung für den Fristbeginn in der Widerrufsbelehrung steht. "Wir rechnen damit, dass bundesweit Hunderttausende Verträge betroffen sind", so Krolzik.

 

Ist die Widerrufsbelehrung eines Immobilienkredits fehlerhaft, startet die 14-tägige Widerrufsfrist nicht. Verbraucher können ihre Verträge heute noch widerrufen, um sich beispielsweise ohne Entschädigung für eine Abzahlung oder Umschuldung von einem Darlehen zu lösen. "Das Sparpotenzial für die Betroffenen ist groß, denn es sind erhebliche Zinsersparnisse von bis zu drei Prozent möglich", meint Krolzik. Wer etwa einen neuen Vertrag mit einem Darlehenszins von 1,5 Prozent statt 4,5 Prozent abschließe, könne bei einer Restschuld von 180.000 Euro und einer Restlaufzeit von rund viereinhalb Jahren ungefähr 24.000 Euro sparen.

 

Die Hamburger Verbraucherschützer empfehlen jedoch wegen der weitreichenden finanziellen Folgen für Verbraucher, sich im Vorfeld eines Widerrufs rechtlichen Rat einzuholen. Die Verbraucherzentrale Hamburg berät hierzu schriftlich und persönlich. Weitere Informationen zum Beratungsangebot sind zu finden auf deren Internetseite unter www.vzhh.de.

 

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Gut beraten bei der Immobilienfinanzierung Verbraucherzentrale Hamburg hilft mit Checkliste

Laut einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest empfehlen viele Banken und Sparkassen zu teure Immobilienkredite. Dabei machen schon geringfügige Zinsunterschiede eine Immobilienfinanzierung um Tausende Euro billiger oder teurer. Anhand einer Checkliste der Verbraucherzentrale Hamburg erkennen Verbraucher eine gute Beratung zur Immobilienfinanzierung und können so viel Geld sparen.

 

1. Zeit für Gespräch: Eine gute Beratung zur Immobilienfinanzierung braucht Zeit. Das Abfragen von Einkommen und Eigengeld allein reicht nicht aus.

 

2. Individuelles Angebot: Eine Immobilienfinanzierung sollte immer maßgeschneidert sein. Zum Beispiel müssen bestehende Sparverträge wie Bausparverträge oder Kapitallebensversicherungen individuell in eine Finanzierung eingebaut werden.

 

3. Zukunftsaussichten berücksichtigen: Die Finanzierung ist bei Doppelverdienern in aller Regel kein Problem. Möglicher Nachwuchs kann aber beispielsweise die Einkommensverhältnisse und damit die Voraussetzungen für eine Finanzierung ändern. Einkommensrückgänge müssen prognostiziert und in der Finanzierung berücksichtigt werden.

 

4. Verweis auf Fördermöglichkeiten: Der Berater sollte auch auf andere Finanzierungsquellen hinweisen. Zwar wird über mögliche öffentliche Förderung meist noch beraten. Der Hinweis auf die Förderdarlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wird aber oft vergessen. Einige Banken lehnen es sogar ab, diese Darlehen zu beantragen.

 

5. Nicht nur 10 Jahre Zinsbindung: Die Wahl der richtigen Zinsbindungszeit ist außerordentlich wichtig. Standardangebote mit einer Zinsbindung von zehn Jahren sind jedoch immer noch an der Tagesordnung, obwohl eine Zinsbindung für 15 Jahre momentan nur unwesentlich teurer, aber sicherer und sogar flexibel ist, denn der Kunde hat in den letzten fünf Jahren ein einseitiges Kündigungsrecht.

 

6. Nebenbedingungen: Sonstige  Nebenbedingungen sollten erörtert werden. Schätzkosten zum Beispiel können einige Hundert Euro ausmachen - oder aber ganz entfallen. Bereitstellungszinsen und Auszahlungsmodus sind für Hausbauer von entscheidender Bedeutung.

 

7. Individuelles Verhandeln: Das Aushandeln guter Zwischenfinanzierungsbedingungen und von Sondertilgungen und schließlich individuelles Verhandeln über Zinssätze kann nochmals zu einer weiteren Ersparnis von einigen Tausend Euro führen.

 

8. Verständliche Erklärungen: In der Beratung sollte der Kunde ernst genommen und auf die individuellen Wünsche und Vorstellungen eingegangen werden. Die Angebote und Produkte müssen verständlich erklärt werden.

 

Veranstaltungshinweis:

Ratsuchende, die Fragen zur Finanzierung von Wohneigentum haben, können sich beim Tag der Immobilie am Samstag, dem 18. Februar in der Verbraucherzentrale Hamburg kostenlos informieren und beraten lassen. Weitere Informationen zum Angebot des Aktionstags sind veröffentlicht auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg unter www.vzhh.de.

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Verbraucherzentrale: Verbraucher können teure Ratenkredite wieder loswerden Widerruf ist auch bei bereits abbezahlten Darlehen noch möglich

Verbraucher können teure Ratenkredite wieder loswerden

 

Widerruf ist auch bei bereits abbezahlten Darlehen noch möglich

 

Teure Ratenkredite können widerrufen und rückabgewickelt werden, weil ihre Widerrufsbelehrungen oft fehlerhaft sind. Verbraucher können so häufig Geld sparen. Ein Ausstieg ist selbst Jahre nach Vertragsschluss und sogar dann noch möglich, wenn die Darlehen bereits abbezahlt sind, denn die Frist für Immobilienkredite gilt bei diesen Verträgen nicht. Sind die Texte unvollständig oder anderweitig rechtlich angreifbar, können Verbraucher ihren Widerruf jederzeit erklären, weil die Widerrufsfrist mit einer falschen Widerrufsbelehrung gar nicht erst startet. Darauf weist die Verbraucherzentrale Hamburg hin, die die Formulierungen von Widerrufsbelehrungen in Ratenkreditverträgen überprüft.

 

Insbesondere wenn mit dem Kredit eine Restschuldversicherung abgeschlossen wurde, sind die Widerrufsbelehrungen häufig falsch. "Die Gerichte sehen in der Kombination von Kredit und Versicherung ein verbundenes Geschäft. Die Widerrufsbelehrungen der Verträge müssen deutlich machen, dass bei einem Widerruf auch der verbundene Vertrag entfällt. Viele Belehrungen tun dies jedoch nicht", erläutert Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die überwiegende Mehrheit der Kreditverträge, die zur Prüfung auf ihrem Tisch landet, enthalte solche fehlerhaften Widerrufsbelehrungen und könne dann noch widerrufen werden.

 

Nach einem Widerruf müssen Banken und Sparkassen ihren Kunden die Prämien für den Versicherungsschutz erlassen oder diese zumindest reduzieren und die darauf berechneten Zinsen ebenfalls. War der Zinssatz des Vertrags höher als zum Zeitpunkt des Abschlusses marktüblich, haben die Betroffenen außerdem ein Anrecht auf Rückzahlung zu viel gezahlter Zinsen. "Verbraucher können so oft viel Geld sparen. In einem der von uns überprüften Fälle waren es sogar 35.000 Euro", berichtet Schmitz.

 

Freiwillig zahlen Banken und Sparkassen die hohen Summen nicht, weiß die Verbraucherschützerin. Die Kreditinstitute wendeten zum Beispiel ein, dass die Widerrufsbelehrung nicht zu beanstanden sei und dass sich aus einem bereits beendeten und vollständig abgewickelten Vertrag keine Ansprüche und Rechte mehr herleiten ließen. "Stellen sich die Kreditgeber quer, empfehlen wir Verbrauchern, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Angesichts der hohen Summen lohnt sich dieser Schritt", so Schmitz.

 

Restschuldversicherungen für Kredite sind teuer und oft nutzlos. Die Versicherungspolicen sichern beispielsweise typische Risiken wie Arbeitslosigkeit nicht ausreichend ab und und schränken ihre Eintrittspflicht durch Ausschlussklauseln im Kleingedruckten weitestgehend ein. Gleichzeitig verteuern sich die Kredite durch die Versicherung unnötig, denn Versicherungsprämie und Vermittlungsprovision werden zur Kreditsumme addiert, was zu höheren Zinsforderungen führt.

 

Die Finanzexperten der Verbraucherzentrale Hamburg überprüfen gegen ein Entgelt von 100 Euro die Widerrufsbelehrungen in Ratenkreditverträgen, liefern Ratsuchenden eine schriftlich zusammengefasste Einschätzung sowie Handlungsempfehlungen, um Geld von Banken oder Sparkassen zurückfordern zu können. Weitere Informationen zum Angebot und zum Thema sind zu finden auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg unter www.vzhh.de.

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Probleme beim Tarifwechsel bei Privaten Krankenversicherungen

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